• Andreas Notter

Gleichberechtigung entstellt unsere Sprache

Wussten Sie, dass Arbeitnehmende zwar geschlechtsneutral sind, aber gar nie Feierabend machen dürften? Ich sage Ihnen, weshalb.



Bei genauer Betrachtung wird klar: Lernende oder Auszubildende dürften die Schulbücher selbst nachts nicht weglegen, sonst wären sie nämlich weder lernend noch auszubildend. Das substantivierende Partizip («die Lernenden») verlangt diese Rastlosigkeit nämlich ausdrücklich. Das gleiche Schicksal widerfährt Mitarbeitenden, Arbeitnehmenden, Pflegenden, Fahrenden, etc.


Lehrlinge und Studenten gibt’s nicht mehr

Liebe Lesenden, die verzweifelte Suche nach geschlechtsneutralen Formulierungen treibt Blüten, die sich meinem angelernten Sprachgefühl widersetzen, seit das generische Maskulinum («die Lehrlinge», «die Studenten») nicht mehr den Moralvorstellungen einer gefühlten Mehrheit entspricht. Diese Verweichlichung der Sprache entstammt dem feministischen Anspruch der konsequenten Gleichberechtigung.


Ganz schlimm wird’s, wenn die TV-Sprecherin beim Gender-Stern des Wortes «Zuschauer*innen» eine kleine Pause einbaut.


Beruf: Lehrperson

Dabei bin ich in jeder Hinsicht ein Verfechter der Gleichberechtigung und frage mich schon seit meiner Schulzeit, weshalb «das Mädchen» als Sache gilt, wo es doch nichts Weiblicheres gibt als ein Mädchen. Trotzdem lässt sich nicht von heute auf morgen das grammatische Geschlecht (Genus) mit dem biologischen Geschlecht (Sexus) fusionieren. Sprache bleibt Sprache, Geschlecht bleibt Geschlecht. Dass meine Frau nicht mehr Lehrerin sein soll, sondern «Lehrperson», widerstrebt mir zutiefst.


Frauen und Männer: cool bleiben!

Liebe Leser*innen, wir sollten mit unserer Sprache wieder etwas unaufgeregter umgehen und sie nicht unnötig ideologisieren. «Vertretende» der alten Grammatikschule werden zu schnell zu Bösewichten gestempelt, wenn sie durch das sprachliche Minenfeld tappen.


Allein: Von «Bösewichtinnen» ist so selten die Rede wie von «Straftäterinnen». Es gibt eben in der Gender-Sprache keinen Konsens darüber, wie, was und wann gegendert wird. Es bleibt einzig der Verdacht, dass das Böse trotz aller Bemühungen um Gleichberechtigung gerne am Mann haften bleibt. Diskriminierung? Ich nehms gelassen.


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